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90 Jahre Numismatische Gesellschaft Mainz-Wiesbaden von 1921 e.V.
Am neunten April dieses Jahres beging die Numismatische Gesellschaft MainzWiesbaden im Rahmen einer münzwissenschaftlichen Tagung im Erbacher Hof in Mainz ihren 90. Geburtstag. Gleichzeitig war dies das 46. Süddeutsche Münzsammlertreffen, das unter der Ägide des Gesamtverbandes „Deutsche Numismatische Gesellschaft” stattfand.

84 Münzfreunde und Münzfreundinnen hatten sich eingefunden, um Vorträge zum Rahmenthema „Münzprägung am Mittelrhein” zu hören. Der Bogen spannte sich von der Ikonographie keltischer Münzen aus unserem Raum über die Münzstätten Bacharach und Oppenheim bis hin zur Einrichtung des Münzkabinetts in Mainz 1784. Aus Anlass des Jubiläums hatte die Numismatische Gesellschaft Mainz-Wiesbaden auch eine Medaille herausgegeben, die von dem namhaften Medailleur Victor Huster in Baden-Baden gestaltet worden war. Sie zeigt auf der Vorderseite Georg Forster, dessen letzte Lebensphase eng mit einer entscheidenden Epoche in der Mainzer Geschichte verbunden ist, nach einem Gemälde des Mannheimer Hofmalers Delos, umgeben von Zeichen seiner Lebenstationen: Schiff und Globus (Teilnehmer an Cooks zweiter Weltumseglung 1772-1775), Buch in der Hand (Aufklärer und Universitätsbibliothekar in Mainz), Jakobinermütze (Protagonist in den Monaten der Mainzer Republik). Die Rückseite setzt dazu den zeitgenössischen numismatischen Rahmen mit der Wiedergabe einer Mainzer Belagerungsmünze zu 5 Sols von 1793. Die Medaille ehrt eine bedeutende Mainzer Persönlichkeit, deren Leistungen als Aufklärer und Revolutionär in der Vergangenheit lange mit Ressentiments betrachtet wurden, die aber heute im Zeichen fortgeschrittener europäischer Einigung unverstellt gewürdigt werden.

Die Numismatische Gesellschaft Mainz-Wiesbaden blickt mit Stolz auf 90 Jahre der „Pflege und Erhaltung der numismatischen Kulturwerte sowie der Unterstützung der Forschung auf dem Gebiet der Münzund Medaillenkunde und damit verwandter Gebiete”, wie es in ihrer Satzung lautet. Am 26.3.1921 war durch den Zusammenschluss einer kleinen, seit 1919 bestehenden Numismatischen Gesellschaft Wiesbaden mit Münzfreunden in Mainz die „Numismatische Gesellschaft Wiesbaden-Mainz” entstanden, die bis in die Endphase des Zweiten Weltkriegs - ab 1933 leider unter Verlust ihrer jüdischen Mitglieder ihre monatlichen Veranstaltungen abwechselnd in Wiesbaden und in Mainz abhielt. Das Ende des Krieges und die neuen Besatzungsgrenzen setzten diesen Treffen ein Ende, doch schon 1946 versammelten sich die Mainzer Münzfreunde unter der Leitung von Dr. Walther und Dr. Diepenbach wieder zu münzkundlichen Veranstaltungen zu versammeln. Erst 1947 bzw. 1949 konnte eine „Numismatische Gesellschaft Mainz” neu konstituiert werden. 1959 kam erneut die alte Verbindung mit Wiesbaden zustande, nun behielt aber der Verein seinen Sitz in Mainz und nannte sich entsprechend „Numismatische Gesellschaft Mainz-Wiesbaden”. Wie auch in den Jahren vor dem Kriege findet seitdem regelmäßig monatlich eine Vortragsveranstaltung zu einem numismatischen oder verwandten Thema statt (zweiter Freitag im Monat, 17:30 im Erfurt-Zimmer des Rathauses in Mainz); außerdem wird immer zum Julitermin ein Ausflug zu münzhistorischen Orten in der näheren oder auch weiteren Nachbarschaft zu Mainz unternommen. Als altetablierter Verein ist die Numismatische Gesellschaft ein wichtiges Glied im Mainzer Vereinsleben geworden, doch zeigt sich bei ihr wie auch anderen Vereinen, die sich der Pflege des historischen Erbes widmen, Mangel an jüngerem Nachwuchs. Dabei ist das Interesse an Münzen in der Bevölkerung durchaus vorhanden, oft wird es aber von kommerziellen und spekulativen Erwartungen beherrscht. Die Numismatische Gesellschaft steuert solchen Fehlentwicklungen sowie Fehlgriffen beim Münzerwerb entgegen. Nur mit Kenntnissen macht das Sammeln Sinn und nur mit entsprechendem Wissen wird die Wertentwicklung einer Sammlung gewährleistet. Dazu dienen die allmonatlichen Vorträge, gelegentliche Publikationen, Ausstellungen und andere Informationsveranstaltungen. Kontakt: Dr. Karl Ortseifen, Tel. 06131-35806, Email: karl-ortseifen@t-online.de.



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