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90 Jahre „Vogelsberger Höhen-Club” in Mainz
Im Spätjahr 1921, in einer Zeit, in der Deutschland schwer an den Folgen des 1. Weltkriegs litt, fand sich in Mainz ein Kreis von Wanderkameraden aus Oberhessen zusammen, die es aus beruflichen Gründen nach einem „Umweg” über Darmstadt hierher geführt hatte.

In Mainz gründeten sie in alter Verbundenheit zu ihrer Heimat einen Zweigverein des Vogelsberger Höhen-Clubs e. V. (VHC), eines Vereins, der sich 1881 in Schotten gegründet hatte, um das gemeinsame Wandern, den Naturund Landschaftsschutz und um den Fremdenverkehr zu fördern. Dieser sollte der armen Vogelsberger Bevölkerung, deren Lage sich im 19. Jahrhundert zusehends verschlechterte, eine weitere Einkommensquelle erschließen. Ziel des Vereins bei der Gründung war es, „den Besuch des Gebirges annehmlicher zu machen durch Aufstellung von Wegweisern, Verbesserung der Gebirgswege, Herstellung von Aussichtspunkten und Ruheplätzen, Instruierung von Touristenführern und Einwirkung auf Verbesserung der Gasthäuser” (Schottener Kreisblatt, 25. Juni 1881). Der Verein gliederte sich in schnell wachsende Zweigvereine. Heute sind es 30 mit mehr als 3.500 Mitgliedern im Städtedreieck Frankfurt/Main - Gießen - Fulda.

Noch ein wenig mehr Geschichte: Am 30. Juni 1816 schlossen Preußen, Österreich und das Großherzogtum HessenDarmstadt einen Staatsvertrag, der das Gebiet des Großherzogtums bestimmen sollte. Diesem Gebiet wurde auch Mainz mit seinen rechtsrheinischen Stadtteilen Kastel und Kostheim zugeschlagen. Auch nach der Absetzung des Großherzogs Ernst Ludwig 1918 und der Abschaffung der Monarchie gehörte Mainz verwaltungsmäßig zu „Hessen”. Die Verbundenheit mit der hessischen Heimat und die Liebe zum Wandern führten 1921 durch die Initiative ehemaliger „Vogelsberger” zur Gründung des Mainzer Zweigvereins im Vogelsberger Höhen-Clubs.

„Kommunikation, Gesundheit durch Bewegung und gesellschaftliche Harmonie sind die Ziele und Werte des Vereins”, betont Gerhart Schmöller, 1. Vorsitzender des Vereins, der in Mainz um die 100 Mitglieder hat. „Einmal im Monat, immer sonntags, treffen wir uns zu einer Wanderung, die mit der Wahl des Wanderziels besondere Reize setzen will. Wir wollen über den kleinen Tellerrand der Mainzer Umgebung hinausgehen und erwandern im Laufe eines Jahres ausgewählte Ziele im Hunsrück und im Pfälzer Wald, im Taunus, im Spessart und im Odenwald. Dabei legen wir nicht nur Wert auf aktive Bewegung in der Natur und auf Naturbetrachtung, sondern auch auf das Einbeziehen von Kulturstätten.”

Die Zielorte werden meist mit einem angemieteten Bus angefahren, seltener mit der Bahn. Vor Ort gibt es dann ein Programm für drei Gruppen: für die sportlichen Wanderer, die sich 20-30 km erarbeiten und aus dem Rucksaak verpflegen, für die Genusswanderer, die 1216 km als Wegstrecke vor sich haben und in einem Lokal zur Mittagsrast einkehren, und für die, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, den Tag in eigener Regie verbringen und gemeinsam etwas erkunden wie bei der Tagesexkursion im März in den Taunus um Oberursel. Sie besuchten den Opelzoo - also Bewegung an frischer Luft - und berichteten darüber begeistert den anderen. Denn ganz wichtig ist, dass sich alle drei Gruppen am Ende des Wandersonntags zu einer gemeinsamen Schlussrast in einem Speiselokal zusammenfinden, Gelegenheit zum Austausch, zum Miteinander.

Für die, die beruflich nicht mehr eingebunden sind, bietet der Verein einmal im Monat, jeweils am 2. Dienstag, Nachmittagswanderungen. Man trifft sich um 13:45 Uhr vor dem Mainzer Hauptbahnhof und startet mit dem Öffentlichen Nahverkehr in die nähere Umgebung, wandert - kundig geführt - etwa zwei Stunden und beschließt den Nachmittag, wenn man möchte, in einer Straußwirtschaft oder in einem Speiselokal, bevor es wieder Richtung Mainz geht. „Menschen, die sich unserem Verein anschließen oder als Gäste an den Wanderungen teilnehmen wollen, sind uns immer willkommen”, versichert Gerhart Schmöller: „Wir wollen keine Höchstleistungen erzielen, sondern Natur und Kultur gemeinsam erleben.”



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