älter werden mit Laune
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Auf den Brettern, die die Welt bedeuten
Zum Start der neuen Veranstaltungsreihe des Seniorenbeirats „Hereinspaziert” stand ein Besuch im Staatstheater Wiesbaden auf dem Programm. Dabei wechselten die Besucher einmal die Perspektive. Anstatt wie sonst aus dem Zuschauerraum auf die Bühne zu schauen, blickten die Besucher im wahrsten Sinne des Wortes hinter die Kulissen. So erhielten sie einen umfassenden Eindruck davon, wie viel Arbeit und Vorbereitung hinter den Aufführungen steckt.

Ein Besuch im Staatstheater ist eine interessante Sache: die festliche Garderobe bei einer Premiere, die Erwartungshaltung, bis sich der Vorhang hebt und man erleben kann, was die Sänger, Schauspieler oder Tänzer präsentieren. Als Zuschauer genießt man die Früchte langwieriger Proben und Vorbereitungen. Eine Gruppe des Wiesbadener Seniorenbeirats traf sich am Schillerdenkmal auf der Rückseite des Staatstheaters. Renate Pater-Kremer vom Seniorenbeirat erläuterte zunächst die Geschichte des 1894 im Beisein von Kaiser Wilhelm II. eröffneten Baus der Wiener Theaterarchitekten Fellner und Helmer. Durch den Personaleingang ging es hinab in den Keller, in dem Werkstätten und Proberäume untergebracht sind. In einem Ballettsaal konnten die Senioren Ballettdirektor Stephan Toss bei Proben mit Tänzern zusehen. Im Malersaal werden die Prospekte, auf riesige Leinwände gemalte Bühnenbilder, angefertigt. Während des Besuchs des Seniorenbeirats wurden gerade die Kulissen für die Aufführungen der Oper Lolita angefertigt. Nebenan in der Probenbühne sah die Gruppe noch die behelfsmäßigen Utensilien, mit denen geprobt wird. In vier bis sechs Wochen studiert das Ensemble in der Regel ein Stück ein. Auf der großen Bühne im Theater werden nur die letzten Proben in Kostümen und vor den Kulissen abgehalten.

Nächste Station war die Werkstatt der Cacheure. Sie fertigen aus Styropor einen Großteil der täuschend echten Requisiten. Den Bühnenarbeitern erleichtert dieser Werkstoff die Umbauten zwischen den Szenen deutlich. Daneben hat das Theater eine eigene Schreinerei, eine Schlosserei und eigene Kostümbildner. Inklusive der Künstler arbeiten insgesamt 570 Mitarbeiter daran, den Zuschauer gelungene Vorstellungen zu präsentieren. Auf der Bühne des kleinen Hauses konnte die Gruppe miterleben, wie die Kulissen für ein Stück eingerichtet und an langen Seilzügen aufgehängt wurden. Auf der Bühne im großen Haus waren die Kulissen für die Vorstellung der Operette „Die Fledermaus” schon aufgestellt. Die Besucher staunten über die Höhe und Tiefe des Raumes über und hinter der Bühne. So haben die Bühnentechniker genug Platz und Raum für schnelle Kulissenoder Prospektwechsel. „Das ist aber klein”, wunderten sich einige Besucher über die unvermutet geringe Größe des Zuschauersaals aus der Bühnenperspektive. „Das Theater hatte ursprünglich 1400 Plätze, nach dem Einbau der neuen Bühnentechnik blieben nur noch gut 1000 übrig”, erläuterte Pater-Kremer.

Als kleines Ratespiel ließ sie die Gruppe tippen, in welcher Loge wohl der Kaiser die Aufführungen verfolgt habe. Sehr zum Erstaunen der Seniorinnen und Senioren war es nicht die große Loge in der Mitte des Zuschauerraums, sonder eine Loge direkt rechts neben der Bühne. Von dort aus konnte Ihre Majestät nicht nur die Bühne, sondern auch das Publikum in Augenschein nehmen konnte. Besonders die Besucherinnen und ihre Dekolletes hatten es Wilhelm angetan. Zur Stärkung und zum Abschluss gab es in der Kantine des Theaters Kaffee und Kuchen. Die Führungen unter dem Titel „Hereinspaziert” sollen fortgesetzt werden, der Seniorenbeirat gibt so Interessierten die Gelegenheit, Wiesbadener Gebäude und Institutionen einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.

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